Donnerstag - 12. Oktober 2017

Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis 2017:

Vier Neurowissenschaftler für ihr Forschungsengagement bei neurodegenerativen Erkrankungen ausgezeichnet

Bayer ist Initiator und Stifter des mit 10.000 Euro dotierten Wissenschaftspreises / Auszeichnung wird zum 15. Mal verliehen und fördert klinische Forschung in der Neurologie und Psychiatrie
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Die Preisträger des Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreises 2017: Dr. Heike Jacobi, PD Dr. Alfredo Ramirez und Prof. Dr. Paul Lingor, (v.l.n.r., nicht im Bild Prof. Dr. Lars Tönges)

Berlin, 12. Oktober 2017 – Vier Neurowissenschaftler teilen sich den „Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis 2017“, der in diesem Jahr beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin verliehen wurde. Mit dem Preis wird Dr. Heike Jacobi, Heidelberg, für ihre Forschungsarbeiten zur Charakterisierung der häufigsten Subtypen der spinozerebellären Ataxien ausgezeichnet sowie Privatdozent Dr. Dr. Alfredo Ramirez, Köln, für seine Arbeiten zur Identifizierung genetischer Marker der Krankheitsprogression bei der Demenz. Professor Dr. Paul Lingor, Göttingen, und Professor Dr. Lars Tönges, Bochum, erhalten den Preis gemeinsam für ihr Forschungsengagement bei der Charakterisierung der Rho-Kinase (ROCK) und für die Etablierung von Studien zur Bedeutung von ROCK-Inhibitoren bei neurodegenerativen Erkrankungen. Der „Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis 2017“ ist mit 10.000 Euro dotiert und wird von Bayer in Deutschland für „besondere Leistungen auf dem Gebiet der Neurowissenschaften“ ausgeschrieben. Er dient der Förderung der klinischen Forschung in der Neurologie und Psychiatrie.

Charakterisierung spinozerebellärer Ataxien

Bei den spinozerebellären Ataxien (SCA) handelt es sich um seltene neurodegenerative Erkrankungen, die vor allem das Kleinhirn und seine afferenten und efferenten Verbindungen betreffen. Es wurden bereits mehr als 40 verschiedene Subtypen beschrieben, was die Charakterisierung der Erkrankung erschwert. Im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit hat Dr. Heike Jacobi erstmals in einer europaweiten Beobachtungsstudie bei 526 Patienten den natürlichen Krankheitsverlauf verfolgt und eine lineare Progression der ataktischen Symptome bei den häufigsten Krankheitsformen (SCA1, SCA2, SCA3) aufzeigen und quantifizieren können. Die Studienergebnisse sind nach Jacobi zum einen für die Beratung der Patienten relevant und zum anderen auch grundlegend für die Planung interventioneller Studien.

In einer weltweit ersten prospektiven Studie bei 276 Risikopersonen (Geschwister und Kinder von SCA-Patienten) konnte die Wissenschaftlerin ferner nachweisen, das präklinische SCA1- und SCA2-Genträger schon etwa zehn Jahre vor dem Erkrankungsbeginn leichte Koordinationsdefizite aufweisen, die im zeitlichen Verlauf stetig zunehmen. Mittels der Kernspintomographie war bei den Risikopersonen für eine SCA1 und SCA2 zudem schon Jahre vor der erwarteten klinischen Krankheitsmanifestation eine leichte Atrophie des Kleinhirns und bei SCA2-Genträgern zusätzlich auch des Hirnstamms nachzuweisen. Die Studienergebnisse definieren ein frühes Erkrankungsstadium, das für die Untersuchung der Pathogenese, für das Verständnis von Kompensationsmechanismen zerebellärer Neurodegeneration sowie als Ansatzpunkt für präventive Therapien bedeutsam ist.

Erforschung genetischer Faktoren, die die Progression der Demenz triggern

Mit der Identifizierung genetischer Marker der Krankheitsprogression bei der Demenz ausgehend von leichten kognitiven Veränderungen (MCI, Minimal Cognitive Impairment) beschäftigen sich die Forschungsarbeiten von Privatdozent Dr. Dr. Alfredo Ramirez, Köln. Anhand der Daten aus dem Erbgut von mehr als 3.000 Personen mit MCI (longitudinale Daten) hat die Forschungsgruppe um Ramirez untersuchen können, ob bekannte genetische Risikofaktoren der Alzheimer Erkrankung bei der MCI Einfluss haben auf die Progressionsraten zur Alzheimerdemenz. Die Variationsbreite bei Menschen mit MCI reicht dabei von 4 bis 31 Prozent.

Es gab laut Ramirez jedoch keinen Zusammenhang zwischen der Progression vom MCI-Syndrom zur Alzheimerdemenz und den bisher bekannten genetischen Suszeptibilitätsfaktoren bzw. dem sich daraus ableitenden Risikoscore. Als Progressionsfaktoren konnten allerdings zwei Apolipoproteine, und zwar ApoE und Clusterin identifiziert werden. Die Ergebnisse zeigen einen möglicherweise gemeinsamen genetischen Pfad bei der Progression zur Alzheimerdemenz. Sie können eventuell bedeutsam sein für die Entwicklung neuer Therapieansätze zur Verhinderung der Progression einer MCI als Prodromalstadium der Demenz hin zur manifesten Alzheimer Erkrankung.

ROCK-Inhibitoren – potenzielle neue Therapieoption bei neurodegenerativen Erkrankungen

Inwieweit sich durch eine Inhibition der Rho-Kinase (ROCK), einer Serin/Threoninkinase, eine neue Therapieoption neurodegenerativer Erkrankungen wie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) und der Parkinson`schen Erkrankung (PD) ergeben kann, untersuchen Professor Dr. Paul Lingor, Göttingen, und Professor Dr. Lars Tönges, Bochum. In diversen Tiermodellen konnten die Forscher bereits positive Effekte von ROCK-Inhibitoren wie dem Wirkstoff Fasudil, der in Japan und China zur Behandlung von Vasospasmen zugelassen ist, bei neurodegenerativen Erkrankungen wie ALS und PD nachweisen. Es zeigte sich bei den Tieren ein längeres Überleben bzw. eine Besserung der motorischen Fähigkeiten unter der ROCK-Inhibition. Auf zellulärer Ebene waren außerdem ein verstärktes Überleben der Nervenzellen sowie ein besseres Auswachsen neuer Zellfortsätze zu dokumentieren.

Auf Basis dieser Befunde haben die Wissenschaftler zwei klinische Phase II-Studienprotokolle zur Prüfung der Wirksamkeit und Sicherheit einer ROCK-Inhibition bei ALS und bei PD erarbeitet. Prüfparameter ist jeweils die Erkrankungsprogression. Aktuell bereits in konkreter Vorbereitung ist die translationale, multizentrische, internationale klinische Studie ROCK-ALS, die im Rahmen des EU E-Rare-Programms gefördert wird.

Hans-Jörg Weitbrecht – renommierter Psychiater und Neurologe

Der Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis 2017 wurde in diesem Jahr bereits zum 15. Mal verliehen. Die Auszeichnung ist benannt nach Hans-Jörg Weitbrecht (1909-1975), einem renommierten Psychiater und Neurologen, der von 1956 bis zu seinem Tod den Lehrstuhl für Psychiatrie und Neurologie der Universität Bonn innehatte. Weitbrecht vertrat sowohl die Psychiatrie wie auch die Neurologie in Forschung, Lehre und Krankenversorgung. Darüber hinaus war er seit 1946 Mitherausgeber der Zeitschrift „Fortschritte der Neurologie und Psychiatrie“. Von der eigenen wissenschaftlichen Arbeitsrichtung her vorrangig Psychiater, verfasste er bedeutende Arbeiten zur klinischen Psychopathologie. Parallel dazu zeichnete ihn ein methodisch fundiertes Verständnis für neurologische Fragestellungen und ein besonderes Interesse an den hirnbiologischen Grundlagen aus.

Weitbrecht galt Zeit seines Lebens als unorthodox denkender, fortschrittlicher und um die Freiheit der Forschung und Unabhängigkeit bemühter Wissenschaftler. Er nahm keine Rücksicht auf herrschende Lehrmeinungen oder politische Zeitströmungen. Der von Bayer in Deutschland gestiftete „Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis“ wird alle zwei Jahre für besondere Leistungen auf dem Gebiet der klinischen Neurowissenschaften ausgeschrieben. Der Preis dient der Förderung der klinischen Forschung in Psychiatrie und Neurologie. Sich bewerben oder vorgeschlagen werden können Wissenschaftler, die herausragende Arbeiten zur Ursachen- und/oder Therapieforschung bei neurologischen und/oder psychiatrischen Erkrankungen geleistet haben und im Jahr der Preisverleihung nicht älter als 45 Jahre sind. Der Preis kann geteilt oder auch mehreren Personen zugleich für eine gemeinsame wissenschaftliche Arbeit zuerkannt werden. Eingereicht werden können bis zu drei thematisch zusammenhängende Originalarbeiten, die nicht älter als fünf Jahre und bereits publiziert oder zur Publikation angenommen sind. Über die Bewertung der eingereichten Arbeiten und die Preisvergabe entscheidet ein Kuratorium unabhängiger Wissenschaftler.

Bayer: Science For A Better Life
Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Life-Science-Gebieten Gesundheit und Agrarwirtschaft. Mit seinen Produkten und Dienstleistungen will das Unternehmen den Menschen nützen und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Gleichzeitig will der Konzern Werte durch Innovation, Wachstum und eine hohe Ertragskraft schaffen. Bayer bekennt sich zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit und handelt als „Corporate Citizen“ sozial und ethisch verantwortlich. Im Geschäftsjahr 2016 erzielte der Konzern mit rund 115.200 Beschäftigten einen Umsatz von 46,8 Milliarden Euro. Die Investitionen beliefen sich auf 2,6 Milliarden Euro und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 4,7 Milliarden Euro. Diese Zahlen schließen das Geschäft mit hochwertigen Polymer-Werkstoffen ein, das am 6. Oktober 2015 als eigenständige Gesellschaft unter dem Namen Covestro an die Börse gebracht wurde. Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.de

Die Bayer Vital GmbH vertreibt die Arzneimittel der Divisionen Consumer Health und Pharmaceuticals sowie die Tierarzneimittel der Geschäftseinheit Animal Health in Deutschland. Mehr Informationen zur Bayer Vital GmbH finden Sie unter: www.gesundheit.bayer.de

Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung von Bayer beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

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